Portale für Arztbewertungen: Betreiber, Hosen runter!

So möchte niemand seine Praxis auf Jameda bewertet sehen. Aber schnell ist es passiert – schon ein Missverständnis mit einem nicht ganz einfachen Patienten kann der Anlass sein.

+ Behandlung: 6,0
+ Aufklärung: 6,0
+ Vertrauensverhältnis: 6,0

Der Bundesgerichtshof hat dazu 2016 entschieden, dass anonyme Kommentare auf Bewertungsportalen so sehr das Persönlichkeitsrecht der Ärztin oder des Arztes betreffen und beträchtliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Grundlage einer Praxis haben können, dass der Betreiber des Portals – zum Beispiel Jameda – besondere Sorgfaltspflichten hat.

So muss der Betreiber beispielsweise auf Verlangen des bewerteten Kollegen nachweisen, dass der Patientenkontakt, um den es in der Bewertung geht, tatsächlich stattgefunden hat. Dazu kann er sich beispielsweise Bonushefte oder Rezepte vorlegen lassen, die den Kontakt beweisen.

Darauf hatte ein Zahnarzt gepocht, der anonym in den Kategorien Behandlung, Aufklärung und Vertrauensverhältnis mit der Schulnote 6,0 bewertet worden war. Er hatte bezweifelt, dass der fragliche Patientenkontakt wirklich stattgefunden hatte, und hatte vom Portalbetreiber verlangt, die Bewertung zu entfernen.

Und - Recht bekommen!

Der Bundesgerichtshof stellte fest, dass der Portalbetreiber seine Prüfpflicht verletzt hat. Indizien, die den angeblichen Patientenkontakt bestätigen, müssen auf Anfrage an die bewertete Praxis weitergeleitet werden.
Die Anonymität des Bewertenden müsse dabei allerdings gewährleistet bleiben.

Welche Rolle spielen Online-Bewertungen im Alltag?

Wie 2014 im Journal Health Policy berichtet wurde, sind 80% der Arztbewertungen auf jameda.de positiv, 4% neutral und 16% negativ. In einer Studie im Journal of Medical Internet Research zeigte sich, dass 25% der Befragten in einer Online-Umfrage bereits Arztbewertungsportale genutzt und 11% selbst Bewertungen veröffentlicht hatten. Von den Nutzern hatten 65% bereits einmal eine Ärztin oder einen Arzt aufgrund der dort gelesenene Bewertungen aufgesucht; 52% hatten schon einmal aufgrund der Bewertungen auf die Vorstellung in einer bestimmten Praxis verzichtet.

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