Lesen Ihre Patienten Online-Bewertungen?

Dass Patienten ein Bedürfnis danach haben, ihre Arztbesuche im Netz zu diskutieren, darauf baut eine ganze Branche auf: Jameda als Marktführer, Konkurrenten wie Sanego und DocInsider und Angebote der Krankenkassen wie der TK-Arztführer.

Aber inwiefern fließen diese Bewertungen dann in die Entscheidungen anderer Patienten ein?

In einer Studie im Journal of Medical Internet Research, durchgeführt von Versorgungsforschern der Uni Erlangen, zeigte sich im Jahr 2013, dass 25% der Befragten in einer Online-Umfrage bereits Arztbewertungsportale genutzt und 11% selbst Bewertungen veröffentlicht hatten. Dieser Anteil dürfte seither noch angestiegen sein.

Von den Nutzern der Bewertungsportale hatten 65% bereits einmal eine Ärztin oder einen Arzt aufgrund der dort gelesenene Bewertungen aufgesucht; 52% hatten schon einmal aufgrund der Bewertungen auf die Vorstellung in einer bestimmten Praxis verzichtet.

Die Studie zeigte zudem, dass vor allem weibliche, verwitwete und gesetzlich versicherte Befragte von der Existenz von Arztbewertungsportalen wussten.

Eine andere Studie konnte noch genauer definieren, welche Gruppen Arztbewertungsportale am wahrscheinlichsten nutzen (statt sie nur zur Kenntnis zu nehmen): Junge und gut ausgebildete Patientinnen, insbesondere solche mit chronischen Erkrankungen. Die Charakteristika „jung“ und „gut ausgebildet“ lassen vermuten, dass anders, als die andere Studie andeutete, eher Privatversicherte zu den Nutzern zählen.

Und welche Fachrichtungen werden am häufigsten bewertet? Orthopäden, Dermatologen und Gynäkologen. Ärztinnen erhielten in dieser Studie signifikant bessere Bewertungen als Ärzte, und ältere Patienten sowie Privatversicherte bewerteten ihre Praxen eher gut als schlecht.

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