Fotos für die Praxiswebseite, abmahnsicher

Das Web ist kein Wilder Westen mehr — und für Kolleginnen und Kollegen schon mal gar nicht. Wir müssen nicht nur das Urheberrechtsgesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb beachten, sondern auch die Berufsordnung und das Heilmittelwerbegesetz.

Innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen haben Sie als Praxisinhaber*in (oder die Webdesignerin Ihres Vertrauens) aber dann doch ein bisschen Spielraum für Kreativität.

Damit Sie im schöpferischen Schaffensrausch nicht übermütig werden, haben wir hier ein paar der Rahmenbedingungen zusammengetragen — auf dass den allgegenwärtigen Abmahnanwälten bald die Lebensgrundlage entzogen werde.

(Disclaimer: Natürlich ist dieser Artikel keine Rechtsberatung, fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Anwalt, und so weiter, Sie wissen schon…)

Dürfen Fotos von Team und Praxis gezeigt werden?

Prinzipiell: Ja.

Dabei müssen Sie aber beachten:

Von jeder Person, die im Foto zu sehen ist, sollte eine schriftliche Zustimmung vorliegen, dass dieses Foto auf der Webseite veröffentlicht werden darf. (Auch, wenn Sie jetzt noch ein super Team sind, verlässt in Zukunft vielleicht jemand aus dem Gruppenfoto das Praxis mit weniger als freundschaftlichen Gefühlen und sucht nach einem Grund, Sie zum Abschied in rechtliche Schwierigkeiten zu bringen.)

Auch Fotos in Berufskleidung sind seit der Novellierung des Heilmittelwerbegesetzes erlaubt. Früher durfte man keine Werbung machen „mit der bildlichen Darstellung von Personen in der Berufskleidung oder bei der Ausübung der Tätigkeit von Angehörigen der Heilberufe“. Besser trotzdem keine Schnappschüsse aus dem Praxisalltag verwenden — oder sicherstellen, dass keine Patient*innen erkennbar sind.

Gruppenfotos veralten — je nach Fluktuation — unter Umständen schnell. Da man in professionelle Fotos sowohl Zeit als auch Geld investiert, ist es schade, wenn sie nach wenigen Monaten schon ausgetauscht werden müssen. Hier bietet es sich stattdessen an, Einzelfotos zu machen und diese zusammen mit der jeweiligen Berufsbezeichnung zu zeigen.

Darf ich Fotos aus dem Internet verwenden?

Kommt drauf an.

Ohne weitere Beschränkung weiterverwendet dürfen nur Bilder, die gemeinfrei sind (englisch: Public Domain). Diese können Sie ohne jede Bildunterschrift oder sonstige Referenz auf Ihre Webseite setzen – ein Link zur Quelle wäre zwar nett, muss aber nicht sein. Nur wenige Bilder sind allerdings Public Domain, und meistens handelt es sich bei diesen um historische Aufnahmen, die kaum für eine Praxis-Webseite zu gebrauchen sind. Es sei denn, Sie wären schon sehr, sehr lange im Geschäft.

Bilder für die Praxiswebseite

Eine hervorragende Webseite, um auch kommerziell verwendbare, kostenlose Bilder zu finden, ist Unsplash. Auch, wenn dort das Wort Public Domain nicht ausdrücklich verwendet wird, läuft es im Prinzip auf das Gleiche hinaus. Den einzigen Verwendungszweck, den die Unsplash-Gründer in ihren Bedingungen ausdrücklich ausschließen, ist der Massendownload von Bildern, um ein Konkurrenzportal aufzubauen. (Fair enough.)

Auch die Bilder auf docs21 stammen von Unsplash (bis auf das Logo, das unser sehr talentierter Designer für uns gezeichnet hat — danke, Mais!).

Fotos, die einer der zahlreichen Creative-Commons-Lizenzen unterliegen, dürfen dagegen nur exakt so weiterverwendet werden, wie es in der jeweiligen Lizenz vorgeschrieben ist. Somit kommen für Praxis-Webseiten nur die beiden Lizenzen CC-BY und CC-BY-SA in Frage – in allen anderen CC-Lizenzen wird nämlich die kommerzielle Nutzung der Bilder untersagt. In den Lizenzen CC-BY und CC-BY-SA wird lediglich vorgeschrieben, dass Urheber und Lizenz angegeben werden müssen.

Viele Creative-Commons-Fotos findet man beispielsweise auf der Plattform Flickr. Auch Wikipedia arbeitet in der Regel mit Creative-Commons- oder Public-Domain-Bildern.

Dass bei der Weiterverwendung dieser Bilder kein Geld fließt, heißt nicht, dass man die Lizenzen auf die leichte Schulter nehmen sollte. Einige Anwälte in Deutschland machen einen Sport daraus, Bilder im Netz aufzuspüren, bei denen die Lizenz nicht auf den Buchstaben korrekt angegeben ist, und verschicken Abmahnungen mit Forderungen in Höhe von mehreren hundert Euro oder mehr. Hier sollte man daher große Sorgfalt walten lassen – oder einfach per E-Mail beim Urheber des Fotos anfragen, ob er mit der Verwendung einverstanden ist. (Antwort bitte aufheben.)

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